Moria brennt!

Es wäre machbar: viele Menschen stehen parat, sind bereit, sich zu engagieren und zu zeigen, wie aktiv und stark Zivilgesellschaft sein kann. Keine 24 Stunden, nachdem mitten in Europa auf der griechischen Insel Lesbos das völlig überfüllte Flüchtlingslager Moria verbrannte, ist die Solidarität groß.

Vor dem Berliner Hauptbahnhof demonstrieren am Abend Tausende für die Evakuierung der Menschen aus Moria. In den Sozialen Medien rechnet die Schweizer Kabarettistin Patti Basler einmal kurz nach und bietet dann an: „Wenn jede Gemeinde der Schweiz 1 Familie aufnimmt, ist Moria leer. Eine einzige Familie! Ich würde meine Gästewohnung drangeben. Wer ist noch dabei?“

Es ist ein starkes Stück Demokratie, das sich hier zeigt

In Deutschland stehen schon seit Jahresbeginn über 100 Kommunen bereit, um vor allem Minderjährige sowie Familien mit Kindern aus Griechenland aufzunehmen. Ein Städtebund von Erlangen bis Rostock hat Bundesinnenminister Seehofer vor Monaten um seine Zustimmung zu ihren entsprechenden Landesaufnahmeanordnungen gebeten. Bundesländer, Einzelpersonen und Jugendhilfeträger verkünden:  #WirHabenPlatz.

Es ist ein starkes Stück Demokratie, das sich hier zeigt. Doch statt aufnahmebereite Bundesländer zu loben und zu unterstützen, unterbindet der Innenminister, humanitär zu handeln. Kein grünes Licht für Menschen aus Moria.

Wenn die Politik an ein (Kinder-) Buch erinnert …

Das Verhalten des Innenministers erinnert stark an den Hauptdarsteller eines (Kinder-) Buchs, das in die Zeit zu passen scheint: das NEINhorn. Das lebt inmitten supersonniger Sonnenhügel mit schäumenden Seifenblasenseen und hübschen Herzwäldern mit wild wallenden Wasserfällen. Doch statt mit Freude und Dankbarkeit begegnet das NEINhorn der Welt mit einem großen, meckerigen NEIN.  Und umgibt sich mit Freunden, die ähnliche Dauermotzer sind: dem WASbär, der nur zuhört, wenn er will. Dem NAhUND, der zu allem und jedem „Na, und?“ sagt. Der KönigsDOCHter, die immer Widerworte gibt. Ein Quartett, das gemeinsam seine Bockigkeit pflegt.

Das NEIN des Innenministerium legt die Vermutung nah, dort wolle man das Thema Aufnahme von Flüchtlingen aus humanitären Gründen aussitzen. Auf die angekündigte „zügige europäische Lösung“ warten die aufnahmebereiten deutschen Kommunen und Länder seit Monaten. Die Menschen in Moria, die seit Jahren unter menschenrechtsverachtenden Bedingungen ausharren mussten, können nicht mehr warten.  Seit vergangener Nacht liegt ihr Lager in Schutt und Asche.

Mitten in Europa geschieht ein Elend, das allen Menschenrechten, allen Regeln und Vorgaben des Kinderschutzes widerspricht.

Tausende Menschen in Deutschland sind bereit, sofort zu helfen.

13.000 leere Stühle standen am Sonntag vor dem Reichstag in Berlin.

13.000 Menschen stehen in Moria vor dem Nichts.

#WirHabenPlatz #Moria #LeaveNoOneBehind

 

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Autor: Katrin Weidemann

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