„Pulse of Europe“ – Europa soll leben!

Europa ist in Gefahr – wir müssen uns kümmern! Das war der Auslöser für die Initiative „Pulse of Europe“. Sie führt in vielen Städten Menschen zusammen, die die Idee der Europäischen Gemeinschaft gegen Rechtspopulisten und andere Europafeinde verteidigen wollen.

Europa: Kundgebung der Bürgerinitiative „Pulse of Europe“, Frankfurt am Main
Kundgebung der Bürgerinitiative „Pulse of Europe“, Frankfurt am Main

Die große Idee eines vereinten Europa entstand in einem idyllischen Haus im lothringischen Scy-Chazelle. Dort, in der Nähe von Metz, entwarf der französische Politiker Robert Schuman in den 1950er Jahren einen „gewagten Plan“: ein Europa, das nationalistischen Egoismus überwinden und als demokratisches Bündnis den Frieden sichern sollte. Vor vier Jahren besuchte ich – auf einer Tour zu den Wurzeln Europas –  Schumans Wohnhaus. Es beherbergt heute sein Museum.

Europäischer Gedanke in der Krise

Im Arbeitszimmer, nahe seinem Schreibtisch, ruht ein großer Ledersessel. Hier verordnete sich der „Vater Europas“ immer wieder Zeit zum Denken, zum Ordnen seiner Gedanken und Überlegungen. Und wurde so zu einem Vordenker der europäischen Idee. „Nie mehr Krieg in Europa. Nie mehr sollen die Völker Europas gegeneinander kämpfen.“ Dafür entwickelte er Entwürfe und gedankliche Grundlagen. 1958 wurde er der erste Präsident des Europäischen Parlamentes, geehrt mit vielen Preisen.

Ich konnte mir bei meinem Besuch damals nicht vorstellen, wie schnell die Europäische Gemeinschaft Robert Schumans innerhalb weniger Jahre in die Krise gerät. In welchem Umfang in vielen europäischen Staaten und in Nachbarstaaten Europas demokratisches Denken die Unterstützung der Menschen verliert. Wie stark nationalistische Tendenzen auf dem Vormarsch sind und die große Idee von Europa beschädigen. Wie schnell der Nativismus – also der politische Kampf gegen Zuwanderung und die Rechte von Minderheiten – in Europa ansteigt.

Wird die Dame Europa überleben?

„Ja, sie hat einen kräftigen Puls“ rufen seit Januar Sonntag für Sonntag tausende Europäer, die mit Europafahnen und blauen Bändern den Pulsschlag Europas sichtbar und hörbar machen wollen. In mittlerweile fast 30 europäischen Städten aktiviert die zivilgesellschaftliche Initiative Pulse of Europe Menschen, die an die Grundidee der Europäischen Union und ihre Reformierbarkeit und Weiterentwicklung glauben. Und es werden wöchentlich mehr.

Sie gehen jeden Sonntag um 14 Uhr auf die Straße und zeigen ihr entschiedenes Ja zu Europa. Es beeindruckt mich, welch positive Energie sie damit schaffen, die den Trennungstendenzen entgegenwirkt und damit weichenstellend für die Zukunft Europas sein könnte. Denn: Am 15. März 2017 wird in den Niederlanden gewählt, am 23. April 2017 findet die Präsidentenwahl in Frankreich statt, und im Herbst 2017 ist Bundestagswahl.

Pro-Europa-Demonstranten bilden ein Herz auf dem Augustinerplatz in Freiburg. In der Hand tragen sie eine Tulpe – als Signal an die Niederlande.
Pro-Europa-Demonstranten bilden ein Herz auf dem Augustinerplatz in Freiburg. In der Hand tragen sie eine Tulpe – als Signal an die Niederlande.
Kräfte bündeln

Ziel von „Pulse of Europe“ ist es, dass sich bis zum und am 12. März 2017, dem letzten Sonntag vor den Wahlen in den Niederlanden, so viele Menschen wie möglich in Europa versammeln und dafür werben, dass nach den Wahlen pro-europäische Kräfte mehrheitsfähig regieren können.

Für mich persönlich ist Pulse of Europe unterstützenswert. Der Sonntagstermin 14 Uhr steht jetzt fest in meinem Kalender. Vielleicht gelingt es, über viele Orte eine Menschenkette durch Europa zu bilden, die Deutschland, Frankreich und die Niederlande verbindet. Auf dass der europäische Pulsschlag allenthalben spürbar wird!

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Autor: Katrin Weidemann

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