Somalilands einziges Zentrum gegen sexuelle Gewalt

Mittags im Baahi-Koob-Center. Es ist das erste Zentrum in Somaliland, in dem Menschen, die sexuelle Gewalt erleiden, Hilfe erfahren. Seine Gründung 2008 war nicht unumstritten, die Notwendigkeit wurde von vielen infrage gestellt. Erst der grausame Tod eines sechs Monate alten Mädchens als Folge einer Vergewaltigung führte dazu, dass Baahi-Koob seine Arbeit aufnehmen konnte.

„Angedockt“ ist das Zentrum gegen sexuelle Gewalt an die gynäkologische Klinik des staatlichen Krankenhauses Hargeisa. Die Sozialarbeiter arbeiten hier Hand in Hand mit dem medizinischen Personal der Klinik – ein unschätzbarer Vorteil, um die Hemmschwelle für Opfer so niedrig wie möglich zu halten und ihnen zusätzliche Wege zu ersparen. Die Mädchen und Jungen, Frauen und Männer erhalten in dem „One-Stop-Center“ unter einem Dach medizinische Hilfe, psychologische Betreuung und auch Rechtsbeistand. Allein vier Polizistinnen und vier Polizisten stehen dafür im Schichtbetrieb zur Verfügung, um im konkreten Fall Ermittlungen gegen sexuelle Gewalt aufzunehmen. So soll den Betroffenen rasch und effektiv bei der Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse geholfen werden.

Die Hälfte der Schutzsuchenden ist jünger als 15

Mit Asher, der Koordinatorin des Projekts, sitzen wir in dem winzigen Büro, das gleichzeitig Beratungsraum ist. Fünf Personen arbeiten normalerweise hier und an dem zusätzlichen Schreibtisch im Vorraum. In dem Moment, wo eine oder einer von ihnen ein Gespräch mit einem Betroffenen führt, gehen die anderen nach draußen auf die Gänge des Hospitals und warten dort. Das kann manchmal lang dauern.

567 Personen waren es im Jahr 2015, die bei Baahi-Koob Schutz, Hilfe und Beratung gesucht haben. Die Hälfte von ihnen war jünger als 15 Jahre alt. Für neue Räume gibt es zwar schon ein Grundstück, aber für den Bau fehlen die Mittel. Der Direktor des Krankenhauses zeigt uns das Modell des Krankenhausneubaus, der die bisherigen alten Gebäude ersetzen soll. Ein fester Platz für Baahi-Koob ist darin bisher nicht vorgesehen. Vielleicht, überlegt er laut, in der neuen Notaufnahme? Asher und ich sehen uns wortlos an: Mit „Vielleichts“ lässt sich verletzten und durch sexuelle Gewalt traumatisierten Kindern nicht helfen. Es liegt noch viel Arbeit vor uns, um die Zukunft des Baahi-Koob-Zentrums zu sichern.

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Autor: Katrin Weidemann

1 Kommentar

  1. Welmering Heinz-Helmut

    Liebe Frau Weidemann,

    hier ganz kurz meine Erfahrungen zur Reduzierung von Genitalverstümmelungen in der Region der Stadt Thies im Senegal 2006 – 2013.

    1. offene Frage in Männer- und Frauengruppen : Wann hat Allah euch erlaubt, eure Töchter beschneiden zu lassen? Großes Schweigen. Der Iman war voll auf unserer Seite und viele Männer und Frauen später auch.

    2. Die Beschneiderinnen (Matronen) wurden bei uns für 30 € im Monat für die vorgeburtliche Betreuung schwangerer Frauen und für die Nachsorge fest angestellt. Kündigungsgrund: wenn wir auch nur von einem einzigen Beschneidungsfall in der Region erfahren, verlieren alle angestellten Matronen sofort ihre Anstellung. Fazit: die Beschneidungen in der Region gingen gegen Null zurück. Die Matronen waren unsere wirksamsten Unterstützer.

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